Ist Militär und Wehrdienst heute noch zeitgemäß? Junge Union und Senioren-Union diskutiert

Wenn Vertreter der jungen und der älteren Generationen das militärhistorische Museum in Dresden gemeinsam besuchen - wie am vergangenen 5. April geschehen - dann provoziert das natürlich den Blick voraus zu Zukunftsfragen um Sicherheit und persönliche Verantwortung.

Ist es angesichts der Tatsache, dass wir von Freunden und Verbündeten umgeben sind, überhaupt noch notwendig, sich eine Armee zu leisten? Reicht eine Freiwilligenarmee in Deutschland mit etwa 130 000 Soldaten aus, um allen Eventualitäten gerecht zu werden? Wie fair sind wir mit unserer Haltung gegenüber Gleichaltrigen in Deutschland und den Ver-bündeten? Ist ein Blick voraus hinsichtlich denkbarer Gefährdungen überhaupt möglich? Welches Maß an Respekt und Disziplin ist in einer Bürgerarmee - wie auch im täglichen Umgang miteinander - unverzichtbar?

Fragen über Fragen, die natürlich nicht alle - und gar nicht für alle eindeutig - zu beantworten sind. So landete die Diskussion eben schnell bei den Geschehnissen um die Ukraine, in Syrien, um die Mitgliedschaft neuer Staaten in der EU.

Die Mitglieder der SU schilderten ihre persönlichen Erlebnisse in ihrer Ausbildung in der Zeit der DDR, die durch das stets vermittelte Feindbild, den ständigen Bekenntniszwang und die Militarisierung aller Ausbildungswege geprägt war. Dabei bot die GST-Ausbildung die sonst nur schwer zu findende Chance, eine Fahrerlaubnis zu erwerben. Im Studium war die "freiwillige" militärische Ausbildung in verschiedenen Formen (GST-, Reservistenlager) ein fester Bestandteil, wie dann später im Betrieb die Erwartung, in der Kampfgruppe, der Zivilverteidigung oder nur dem DRK mit zu wirken. Dies beeinflusste die Genehmigung zum Studium (drei Jahre "freiwilliger Ehrendienst in der NVA" wurden beispielsweise für ein Medizinstudium vielfach erwartet) und die berufliche Laufbahn signifikant.

Bei der Standpunktfindung zur eigenen Haltung polarisierte sich die Diskussion in gewisser Weise bei der Frage, inwieweit jeder Einzelne eher konzentriert auf sich selbst und seine Lebensplanung unter aktuellen Gegebenheiten in Deutschland planen möchte bzw. in welchem Maße über einen umfassenderen und zeitenüberspannenden Blick von außen ein persönliches Gefühl für Gesamtverantwortung empfunden wird. Dabei spielt natürlich die persönlich Einschätzung zur Friedensgefährdung bei uns und in der Welt eine wesentliche Rolle. Wir haben uns sachlich zu informieren!

Der Museumsbesuch vermittelte einerseits die Erkenntnis, dass es in der Geschichte bislang noch keine Zeit gegeben hat, in der stabil Vernunft und Friedenswille Aggressionen und Kriege sicher verhinderte. Andererseits gibt der Blick zurück auf die Situation in den vergange-nen 68 Jahren in Deutschland eine Hoffnung, den Frieden auch im umfassenderen Maße zu gewährleisten - wohl nicht ohne ein ausreichendes Maß an Wehrfähigkeit.

J. Fiolka für die JU
R. Jork für die SU

05.04.2014