Demenz sollte kein Tabuthema für die sogenannte Wissensgesellschaft sein

Es ist ein offenes Geheimnis, dass unsere Informationsfreiheit in der sogenannten Wissensgesellschaft nicht daran hindert, bestimmte Themen einfach zu verdrängen. So spricht man lieber über Spaßereignisse, Skandale oder "die Politik" (was immer man auch darunter versteht - es sind natürlich immer "die Anderen"), statt über Grundfragen zum Lebenssinn, unser Sein nach dem Tode oder auch nur den Umgang mit Demenz nachzudenken. Demenz betrifft jedoch einen wesentlichen Teil unserer Mitmenschen. Allein in Radebeul werden jährlich zusätzlich etwa 400 neu an Demenz Erkrankte registriert! Demenz ist nicht allein eine Altersfrage!

Die Senioren-Union im Kreis Meißen informierte sich am 23. März 2011 bei Herrn Kummerlöw und der Meißner Selbsthilfegruppe Demenz über Stufen und Erscheinungsformen von Demenz, einen sinnvollen Umgang mit Demenzkranken sowie Möglichkeiten der Hilfe vor allem im häuslichen Umfeld. Der Referent wies darauf hin, dass Demenz "kein Todesurteil" ist, die daran Erkrankten vielmehr das Leben "in vollen Zügen" genießen können und es sich um keine Trübung des Bewusstseins handele. Der Verlust der Eigeninitiative erfordere jedoch einen verständnisvollen Umgang seitens der Mitmenschen. Verständnis und Geduld ist gefordert. Die Zeit darf nicht "vergammelt" werden und ist zuwendungsorientiert zu nutzen. Schließlich sollten wir rechtzeitig über die Notwendigkeit einer Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung nachdenken - zumal es dafür teilweise neue gesetzliche Regelungen gibt.

Die lebhafte und offene Diskussion der Besucher im Pro Civitate Alten- und Pflegeheim Meißen empfanden alle Teilnehmer als überaus informativ und hilfreich. über den Nächsten und sich selbst einmal nachzudenken scheint jedenfalls sinnvoller, als auf den nächsten Skandal zu lauern und sich durch selektive Teilinformationen bewegen zu lassen.
24. März 2011

Dr.-Ing. Rainer Jork, Vors. der SU im Kreis Meißen